Transformationsreihe Teil 3: Scoping und mögliche Ansätze der Migrations

David Baumgartner am 31. Mai 2024

Das Bild zeigt eine Reihe von hölzernen Würfeln, die in einem Flussdiagramm-ähnlichen Muster auf einem gelben Hintergrund angeordnet sind. Die Würfel sind durch schwarze Pfeile verbunden, die den Fluss von einem Schritt zum nächsten anzeigen. Die Pfeile führen schließlich zu einem großen Quadrat, das aus mehreren kleineren Würfeln besteht und ein Zielscheiben-Symbol mit einem Pfeil in der Mitte zeigt, was auf das Erreichen eines Ziels oder den Abschluss eines Prozesses hinweist. Das Bild symbolisiert einen strukturierten Prozess oder Workflow, der auf ein definiertes Ziel hinarbeitet.

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Transformationsreihe Teil 3: Das Scoping und drei mögliche Ansätze der Migration.

Im ersten Artikel unserer Transformationsreihe haben wir über mögliche Beweggründe, Chancen und Risiken einer Migration in neue Systemlandschafen für Stadtwerke und EVUs berichtet. Nach dem Lesen des zweiten Teils, wissen sie Bescheid über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Migrationsstrategien: Brown-, Green- und Bluefield.

Nun ist es unerlässlich sich die Frage zu stellen, welche Module Prozesse sowie die dazugehörigen Daten wie genau das Zielsystem erreichen können. Deshalb betrachten wir in diesem Artikel die verschiedenen Verfahren und Strategien, die für eine erfolgreiche Transformation und Migration genutzt werden können.

Das Bild zeigt einen Trichter (Funnel) mit fünf Stufen, die den Prozess der Datenmigration darstellen. Jede Stufe des Trichters ist beschriftet und enthält spezifische Punkte, die beachtet werden sollten.

Wie identifiziere ich die zu migrierenden Daten am „besten“?

Die Selektion der zu migrierenden Daten und Prozesse hängt stark von der Komplexität das Alt- und Zielsystems ab. Der Umfang der Migration muss klar definiert werden, um den Prozess effizient zu gestalten. Herbei können die Daten entweder vollständig übernommen werden oder nur teilweise.

Sollen Daten vollständig übernommen werden, so werden alle Informationspunkte über alle Sparten und Module hinweg auf das neue System geschrieben. Dies ist kostengünstig zu erreichen, ermöglicht historische Auswertungen und bietet eine Vollständigkeit der Daten für alle Prozesse. Jedoch müssen Sie sich bewusst sein, dass ein Migrationsprojekt erhebliche Chancen hinsichtlich der Datenoptimierung bietet oder sogar Compliance-Risiken birgt.

Bei einer selektiven Migration hingegeben werden nur bestimmte Datenbestände oder -kategorien migriert, um Prozesse zu vereinfachen und die Datenqualität zu verbessern. Hierdurch lässt sich die Compliance verbessern und der Migrationsumfang schmälern. Andererseits fehlen Daten im Zielsystem für Analysen, potenziell sogar für Prozesse. Dies kann bei schlechtem Change-Management zu sinkender Zufriedenheit bei Mitarbeitern und Kunden führen.

Folgende Überlegungen können Ihnen helfen den für Ihr Unternehmen richtigen Ansatz auszuwählen.

Sollen nur bestimmte Sparten migriert werden?

Eine fokussierte Migration kann sinnvoll sein, um die wichtigsten Geschäftsfelder priorisiert zu behandeln, gleichzeitig bietet eine Migration ggf. die Möglichkeit ungewünschte Verträge abzustoßen, sofern das Zielsystem diese nicht sauber abbilden kann.

Somit stellt sich die Frage: Soll sowohl Gas als auch Strom migriert werden und wenn ja, welche Geräte können alle im Ziel abgebildet werden?

Sollen bestimmte Module ausgeschlossen werden?

Wechselt man beispielsweise das SAP-System von einem R/3 auf eine S/4-Landschaft, so ist zu überlegen, ob alle SAP-Module dorthin wandern sollen oder ob gewisse Bereiche in andere Systeme ausgelagert werden sollen. Ein plakatives Beispiel hierzu könnte das HR-Modul „Success Factors“ sein. Gibt es kostengünstigere Lösungen auf dem Markt, wenn ja möchte man lieber diese einführen.

Gibt es Prozesse, die wegfallen sollen oder in anderen Systemen besser abgebildet werden können?

Ein Migrations-Projekt bietet die Chance nicht nur auf die Daten, sondern auch die zugehörigen Prozesse zu optimieren. Eine saubere Prozessintegration auf das Zielsystem bedeutet nämlich auch jene Daten nicht zu bewegen, welche dort nicht benötigt werden. Somit können die Speicherkosten und Datenkomplexität verringert werden. Wird der Übergang sauber geplant, so kann ein nahtloser Übergang gewährleistet werden.

Welche Historische Daten müssen, bspw. aufgrund juristischer Vorgaben, erhalten bleiben?

Die Historie der Daten ist oft entscheiden für Analysen, Berichte und auch aus juristischer Sicht. Häufig ist zu lesen, dass die Mitnahme der letzten 3 Jahre sinnvoll sei, jedoch gilt laut aktuell rechtsgültiger DSGVO, dass nicht mehr Kundendaten als benötigt zugänglich gespeichert werden dürfen. In diesem Kontext fallen aufmerksame Leser häufig über den Begriff des „Löschen und Sperrens“.

Die regelmäßige Verjährungsfrist gemäß § 195 BGB beträgt tatsächlich drei Jahre. Diese Frist beginnt jedoch gemäß § 199 Abs. 1 BGB erst mit dem Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger von den den Anspruch begründenden Umständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt hat oder ohne grobe Fahrlässigkeit erlangen müsste. Daher beginnt die Verjährungsfrist nicht unmittelbar bei Entstehen des Anspruchs, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt, was bedeutet, dass sie unter bestimmten Bedingungen zur Anwendung kommt.

Der Rahmen eines Migrationsprojekt legt eine optimale Grundlage für das Implementieren aktueller Gesetztestexte, sowie das Bereinigen der Systeme von nicht mehr benötigter Daten zur Steigerung der Qualität, sowie Integrität der Daten.

Diese Säuberung kann sowohl im Altsystem, beim Cut-Over, als auch im Neusystem erfolgen. Letzteres ist beispielsweise über das Einbinden und Ausprägen des SAP ILM (Information Lifecycle Managements) möglich.

Welche Ansätze gibt es, um von der Entladung zur Produktivsetzung zu gelangen?

Nachdem der Umfang der zu migrierenden Daten festgelegt wurde, sollten Sie sich überlegen, wie genau die Entladung, Transformation und Beladung erfolgt. Die Wahl des geeigneten Verfahrens hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Komplexität der Daten, die bestehende IT-Infrastruktur und die Ziele des Unternehmens.

Hier sind einige bewährte Verfahren:

Big Bang Migration: Alle Daten werden in einem einzigen Schritt migriert. Diese Methode ist schnell, birgt jedoch ein höheres Risiko von Ausfallzeiten und Fehlern.

Phasenweise Migration: Die Daten werden in mehreren Phasen migriert. Dies minimiert Risiken, kann jedoch mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Parallele Migration: Alte und neue Systeme laufen parallel, bis die Migration abgeschlossen ist. Dies reduziert das Risiko, erfordert jedoch mehr Ressourcen.

Die letzten beiden Ansätze ermöglichen zusätzlich eine sogenannte Near-Zero-Downtime.

Wie lässt sich die Transformation der Daten erfolgreich durchführen?

Wir haben noch kein Migrations-Projekt begleitet, in dem keine Umschlüsselung der Daten notwendig war. Damit dieser Prozess effizient stattfindet greifen erfahrene Migrateure auf sogenannte Migrations-Werkzeuge oder Migrations-Tools zu.

Die Wahl des richtigen Migrationswerkzeugs ist entscheidend für den Erfolg des Projekts. Einige Faktoren, die bei der Auswahl eines Tools berücksichtigt werden sollten, sind:

Kompatibilität: Das Tool muss mit den bestehenden Systemen und der neuen Infrastruktur kompatibel sein.

Funktionalität: Das Tool sollte alle notwendigen Funktionen bieten, wie Datenprüfung, -bereinigung und -transformation.

Benutzerfreundlichkeit: Ein benutzerfreundliches Interface erleichtert den Migrationsprozess und reduziert den Schulungsaufwand.

Support und Updates: Ein zuverlässiger Support und regelmäßige Updates gewährleisten, dass das Tool stets auf dem neuesten Stand und funktionsfähig bleibt.

Bei der Auswahl des passenden Werkzeug gilt folgendes zu beachten:

  • Wird die Performance des Tools der Größe unserer Datensätze gerecht?
  • Bietet das Tool einen hohen Automatisierungsgrad, um manuelle Eingriffe zu minimieren und die Migrationszeit zu verkürzen?
  • Bietet das Tool die Möglichkeit in eine Multi-Systemlandschaft zu migrieren, sofern Sie aus oder in mehrere Systeme migriere?
  • Bietet das Tool bzw. der Anbieter sogenannte „Content-Templates“, die einen schnellen Start der Entwicklung innerhalb des Tools für Ihren Anwendungszweck ermöglichen?
  • Bietet das Tool Konsistenzprüfungen auf Objektebene an?

Sind Sie bei der Vielzahl an Migrationswerkzeugen überfordert? Wir bei Aeonic Data haben bereits mit mehr als 5 der gängigsten Werkzeuge Projekte durchgeführt. Gerne beraten wir Sie auf individueller Ebene bei der richtigen Auswahl für Ihren Anwendungsfall.

Welche technischen Methoden gibt es Daten auf die Datenbank des Zielsystem zu spielen?

Je nachdem für welche Zielsysteme Sie sich entschieden haben, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten die transformierten Daten auf die neue Datenbank zu schreiben.

Tabellenbasiertes Vorgehen:

Vorteil:

  • Schnellere Migration: Da die Daten in großen Blöcken oder Tabellen migriert werden, ist der Prozess im Allgemeinen schneller als bei anderen Methoden. Es werden weniger einzelne Prüfungen und Validierungen durchgeführt, wodurch die Gesamtzeit der Migration reduziert wird.
  • Effizienz bei großen Datenmengen: Besonders nützlich bei der Migration großer Datenmengen, da die Performance auf das Verschieben von großen Datensätzen optimiert ist.
  • Einfache Implementierung: Der Prozess ist meist einfacher zu implementieren und erfordert weniger komplexe Logik, was den Aufwand für die initiale Einrichtung reduziert.

Nachteil:

  • Hohe Chance von Dateninkonsistenzen: Da weniger Validierungen und Prüfungen stattfinden, ist das Risiko höher, dass Inkonsistenzen oder Fehler in die neue Datenbank übertragen werden.
  • Viele Nacharbeiten erforderlich: Aufgrund der höheren Wahrscheinlichkeit von Fehlern kann es erforderlich sein, nach der Migration umfangreiche Nacharbeiten und Bereinigungen durchzuführen.
  • Mangelnde Flexibilität: Diese Methode kann unflexibel sein, wenn es darum geht, komplexe Beziehungen oder Abhängigkeiten zwischen den Daten zu berücksichtigen.

Objektbasiertes Vorgehen:

Vorteil:

  • Wahrung der Datenkonsistenz: Durch umfassendere Prüfungen und Validierungen während der Migration wird sichergestellt, dass die Daten korrekt und konsistent in die neue Datenbank übernommen werden.
  • Granulare Kontrolle: Bietet eine feinere Kontrolle über die Migration einzelner Datensätze und ermöglicht spezifische Anpassungen und Transformationen auf Objektebene.
  • Reduzierte Nacharbeiten: Durch die höhere Genauigkeit und Konsistenz sind nach der Migration weniger Korrekturen und Bereinigungen erforderlich.

Nachteil:

  • Hoher Ressourcenbedarf: Erfordert erheblich mehr Rechenleistung und Speicherressourcen, da jede Datentransformation und -validierung gründlicher durchgeführt wird.
  • Zeitaufwändiger Prozess: Der detaillierte Migrationsprozess kann sehr zeitaufwändig sein, insbesondere bei großen Datenmengen oder komplexen Datenstrukturen.
  • Komplexität: Die Implementierung ist komplexer und erfordert eine detaillierte Planung und Konfiguration.

Gemischtes Vorgehen:

Vorteil:

  • Balance zwischen Geschwindigkeit und Konsistenz: Kritische Daten können mit dem objektbasierten Ansatz migriert werden, um Konsistenz zu gewährleisten, während weniger kritische Daten tabellenbasiert übertragen werden, um die Geschwindigkeit zu erhöhen.
  • Flexibilität: Diese Methode bietet die Flexibilität, verschiedene Datenarten unterschiedlich zu behandeln, was zu einer optimierten Gesamtmigration führen kann.
  • Effizienz: Kann effizienter sein als ein rein objektbasierter Ansatz, da nicht alle Daten denselben hohen Validierungsaufwand erfordern.

Nachteil:

  • Komplexe Implementierung: Erfordert eine sorgfältige Planung und Abgrenzung der zu migrierenden Daten, was die Komplexität der Implementierung erhöht.
  • Integrierte Prüfungen: Die Notwendigkeit, beide Migrationsmethoden zu integrieren und zu koordinieren, kann zusätzliche Prüfungen und Validierungen erfordern, um sicherzustellen, dass alle Daten korrekt migriert wurden.
  • Potenzial für Fehler: Die Kombination beider Ansätze kann zu Fehlern führen, wenn die Daten nicht richtig abgegrenzt oder die Methoden nicht richtig integriert werden.

Fazit

Die Planung und Durchführung einer Datenmigration erfordern eine sorgfältige Abwägung verschiedener Faktoren und eine klare Strategie. Durch die Auswahl der passenden Verfahren, die Definition eines klaren Scopes und die Wahl des richtigen Migrationswerkzeugs kann eine erfolgreiche Transformation gewährleistet werden. Es ist entscheidend, eng mit den Unternehmensabteilungen zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass alle Anforderungen berücksichtigt und die Datenintegrität gewahrt bleiben.

Sind Sie unsicher, welcher Ansatz am besten zu Ihrem Unternehmen passt? Lassen Sie sich von unseren Experten bei Aeonic Data unterstützen. Mit unserer Erfahrung in zahlreichen Migrationsprojekten und der Kenntnis der gängigsten Migrationswerkzeuge können wir Sie individuell beraten und den optimalen Weg für Ihre Datenmigration finden. Kontaktieren Sie uns noch heute, um Ihre Migration erfolgreich und effizient zu gestalten.

Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Beratung!

Erfahren Sie mehr über das Vorgehen bei einer Migration und lesen Sie die anderen Teile unserer Transformationsreihe:

Transformationsreihe Teil 1: Gründe, Zeitpunkt und Zielsysteme

Transformationsreihe Teil 2: Brownfield, Greenfield oder Bluefield?